Dr. Robert Jonischkeit, Superintendent der evangelischen Diözese Burgenland

Am Tag sendet der Herr seine Güte und in der Nacht ist sein Lied bei mir. (Ps 42,9)

 

Wenn ich morgens aufstehe, umgeben mich bereits schlechte Nachrichten. Während der Dusche höre ich aus dem Radio schon die ersten Beiträge über Krisen, Krankheit und Krieg. Nahtlos geht es mit der Zeitung während des Frühstücks so weiter. Man kann den Unglücksboten nicht entkommen. Wie sehr sehne ich mich danach, die Güte zu spüren, die der Herr am Tag sendet und von der der Dichter des Psalms spricht. Hier berühren sich Altes und Neues Testament, denn Evangelium bedeutet schlicht und einfach „gute Nachricht“. Ein Gegenpol zu allen schlechten Nachrichten, die tagsüber um mich sind. Ich nehme mir vor, gerade in diesen herausfordernden Zeiten immer wieder daran zu denken, der Güte Gottes Raum zu geben in meinem Alltag, in meinem Leben. Das verwandelt mich von einem deprimierten Realisten zu einem fröhlichen Christen. Und wenn ich die Güte Gottes wieder einmal besonders intensiv spüre, möchte ich am liebsten singen: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gelobet der Name des Herrn“, so heißt es in einem Kanon aus dem Gesangbuch.

 

Doch die Güte Gottes endet nicht mit dem Ende des Tages. Sogar in der Nacht ist sein Lied bei mir. Dieses Bild weckt in mir ein tiefes Gefühl von Urvertrauen. Ich denke an meinen Vater, der mich in meiner Kindheit oft ins Bett gebracht hat. Nachdem er mich zugedeckt hat, blieb er immer noch an der Bettkante sitzen, streichelte meinen Kopf und sang Gute-Nacht-Lieder, bis ich eingeschlafen war. Die Vorstellung, dass es nun Gott selbst ist, der an meinem Bett sitzt, mir den Kopf streichelt und für mich singt, hat etwas zutiefst Beruhigendes und Friedvolles. Sein Lied tröstet und behütet mich und ich spüre die Güte Gottes, die mich schon durch den Tag geleitet hat, noch tiefer und intensiver.

 

Auch unsere Kirchen wollen Orte der Gottesbegegnung sein. Räume, die uns empfänglich machen für die Güte Gottes, aufmerksam und sensibel für seinen Gesang. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass diese Räume in der langen Nacht der Kirchen für Sie zu einem Ort des Friedens werden,

 

Ihr Robert Jonischkeit, Superintendent

 

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Dr. Robert Jonischkeit, Superintendent der evangelischen Diözese Burgenland
Am Tag sendet der Herr seine Güte und in der Nacht ist sein Lied bei mir. (Ps 42,9)   Wenn ich morgens aufstehe, umgeben mich bereits schlechte Nachrichten. Während der Dusche höre ich aus dem Radio schon die ersten Beiträge über Krisen, Krankheit und Krieg. Nahtlos geht es mit der Zeitung während des Frühstücks so weiter. Man kann den Unglücksboten nicht entkommen. Wie sehr sehne ich mich danach, die Güte zu spüren, die der Herr am Tag sendet und von der der Dichter des Psalms spricht. Hier berühren sich Altes und Neues Testament, denn Evangelium bedeutet schlicht und einfach „gute Nachricht“. Ein Gegenpol zu allen schlechten Nachrichten, die tagsüber um mich sind. Ich nehme mir vor, gerade in diesen herausfordernden Zeiten immer wieder daran zu denken, der Güte Gottes Raum zu geben in meinem Alltag, in meinem Leben. Das verwandelt mich von einem deprimierten Realisten zu einem fröhlichen Christen. Und wenn ich die Güte Gottes wieder einmal besonders intensiv spüre, möchte ich am liebsten singen: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gelobet der Name des Herrn“, so heißt es in einem Kanon aus dem Gesangbuch.   Doch die Güte Gottes endet nicht mit dem Ende des Tages. Sogar in der Nacht ist sein Lied bei mir. Dieses Bild weckt in mir ein tiefes Gefühl von Urvertrauen. Ich denke an meinen Vater, der mich in meiner Kindheit oft ins Bett gebracht hat. Nachdem er mich zugedeckt hat, blieb er immer noch an der Bettkante sitzen, streichelte meinen Kopf und sang Gute-Nacht-Lieder, bis ich eingeschlafen war. Die Vorstellung, dass es nun Gott selbst ist, der an meinem Bett sitzt, mir den Kopf streichelt und für mich singt, hat etwas zutiefst Beruhigendes und Friedvolles. Sein Lied tröstet und behütet mich und ich spüre die Güte Gottes, die mich schon durch den Tag geleitet hat, noch tiefer und intensiver.   Auch unsere Kirchen wollen Orte der Gottesbegegnung sein. Räume, die uns empfänglich machen für die Güte Gottes, aufmerksam und sensibel für seinen Gesang. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass diese Räume in der langen Nacht der Kirchen für Sie zu einem Ort des Friedens werden,   Ihr Robert Jonischkeit, Superintendent   Druckansicht