
HAIKU LIEDER. Risako Hiramatsu & Gregor Urban im Salvatorsaal
20:00 – 21:00
Seit 2019 singt Risako Hiramatsu „Haiku Lieder“, Vertonungen japanischer Kurzlyrik – insbesondere von Haikus und Tankas – in einem zeitgenössischen musikalischen Kontext. In enger Zusammenarbeit mit Komponist*innen entstehen immer neue Programme, die sich durch Tiefe und Sensibilität auszeichnen.
Risako Hiramatsu (Sopran) & Gregor Urban (Klavier)
Die in Wien lebende Sopranistin Risako Hiramatsu hat sich in den letzten Jahren intensiv mit Vertonungen von Haikus und Tankas beschäftigt und spannende Programme zusammengestellt, die Brücken zwischen Kulturen und Zeiten schlagen. Die Prägnanz und Musikalität der Gedichtformen steht im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung der Komponist*innen, die aus Japan und aus dem deutschsprachigen Raum stammen.
Kōsaku Yamada (1886-1965): Kirschblüten (Sakura)
Shōichi Yabuta (*1983): Am hohen Berg (Takasagono) Ogura Hyakunin Isshu
Michiko Ino (*1935): Heimliche Liebe (Shinoburedo) Ogura Hyakunin Isshu
Wolfram Wagner (*1962): 3 Tanka- Lieder (2023) für Risako Hiramatsu
Michael Salamon (*1957): Sieben Haiku (1980/81)
Yoshinao Nakada (1923- 2000): Haare
Johanna Doderer (*1969): Waka (Kaiserin Michiko) – Seidenraupen / Schmetterling
Gerald Resch (*1975): Renga (2024) nach Texten aus dem Yuyamasangin
Osamu Shimizu (1911- 1986): Frühlingstempel
Eduard Kutrowatz (*1963): SAKURA (2023) Eine lyrische Frühlingsreise in 6 Teilen
Yoshinao Nakada: Der brillante Morgen. Aus dem Zyklus Fisch und Orange
Die Vertonung von Haiku ist eine Kunstform, die aus der Spannung zwischen äußerster Kürze und großer innerer Weite lebt. Ein Haiku besteht traditionell aus nur siebzehn Silben und beschreibt einen einzelnen, oft unscheinbaren Moment, der jedoch eine ganze Welt an Empfindungen enthält. Genau diese Verdichtung macht Haiku für Komponistinnen und Komponisten so reizvoll: Der Text sagt wenig, aber er deutet viel an, und die Musik darf diesen Zwischenräumen nachspüren. Viele Vertonungen arbeiten deshalb mit Reduktion. Stille, Pausen und fragile Klanggesten werden zu tragenden Elementen, weil sie die meditative Qualität des Haiku spiegeln. Oft entsteht der Eindruck, als würde die Musik nicht erzählen, sondern lauschen.
Gleichzeitig bieten Haiku mit ihren Naturbildern eine ideale Grundlage für klangliche Metaphern. Ein einzelner Ton kann wie ein Lichtstrahl wirken, ein Glissando wie Wind, ein flirrendes Motiv wie ein Insekt im Sommer. Diese Bilder sind nie bloße Illustration, sondern Teil einer poetischen Verdichtung, die den Moment musikalisch einfängt. Obwohl Haiku kurz sind, dehnen viele Komponistinnen und Komponisten die Zeit aus. Ein einziges Wort kann sich über mehrere Takte entfalten, ein Bild wird wie unter einer Lupe betrachtet, und der Augenblick, der im Gedicht nur einen Atemzug dauert, wird in der Musik zu einer kleinen Ewigkeit.
Die Haiku‑Vertonung ist außerdem ein Ort, an dem sich japanische und westliche Ästhetiken begegnen. Japanische Komponisten greifen oft auf schwebende, modale Klangräume und eine klare, fast sprechende Melodik zurück, während europäische Komponisten Haiku als Experimentierfeld für Form, Farbe und Reduktion nutzen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert hat sich daraus eine internationale Tradition entwickelt, die von intimer Lyrik bis zu avantgardistischen Miniaturen reicht. Heute sind Haiku‑Vertonungen besonders in der zeitgenössischen Vokalmusik beliebt, weil sie eine seltene Mischung aus Einfachheit und Tiefe bieten.
Sängerinnen wie Risako Hiramatsu tragen wesentlich dazu bei, diese Tradition lebendig zu halten. Sie zeigen, wie unterschiedlich Haiku klingen können, wie viel Raum in diesen winzigen Texten steckt und wie fein die Verbindung zwischen Wort und Klang sein kann. In ihren Programmen wird spürbar, dass Haiku‑Lieder keine kleinen Randnotizen sind, sondern konzentrierte musikalische Momente, die das Publikum in eine besondere Art des Hörens führen: aufmerksam, still, offen für Nuancen.
Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariahilf, Wien römisch-katholisch
Website: https://www.pfarrverbandmariahilf.at
Adresse: Barnabitengasse 14, 1060 Wien
Anfahrt: U3 Station Neubaugasse, 13A, 14A
dieser Kirche
18:00–18:30 Helga Jarboui betet mit der Gemeinde den Rosenkranz
18:30–19:30 P. Mag. Kazimierz Tomaszewski feiert mit der Gemeinde die Hl. Messe mit Orgelbegleitung
20:00–21:00 HAIKU LIEDER. Risako Hiramatsu & Gregor Urban im Salvatorsaal
20:00–21:00 DURCH – SCHEINEN. Von vergessenen Spuren und neuen Fährten. In der Mariahilfer Kirche
21:00–22:00 Eva-Maria Gärtner führt durch Kirche und Geheimnisse des Barnabitenklosters
22:00–22:30 Orgelführung mit den Organisten Martin Nowak, Johannes Falkenstein und Jury Everhartz
