Grussworte

Grußworte Salzburg (7)

Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM
Auf meinen Wegen durch die Salzburger Altstadt komme ich regelmäßig an einer Steintafel vorbei. Jedes Mal halte ich dann kurz inne und lese das darauf eingravierte Gedicht „St. Petersfriedhof“. Georg Trakl beschreibt darin in wenigen Zeilen, wie die Kirche inmitten der Gräber „vor einem Bilde ewiger Gnade emporsteigt“ und dem Betrachter so gleichsam zum „Gebet“ wird, zur Hoffnungsspenderin in tiefer Not, zu einem leisen Seufzen in die Stille hinein. Eine Freiheit, erahnt in der Ferne. Unsere Suche nach Freiheit nimmt ihren Anfang in der Welt und wir fragen uns: Wo werden wir sie finden? Und: Wer wird sie uns geben? Der Blick nach innen aber verrät: Dem Menschen ist bereits eine Freiheit geschenkt, eine Freiheit des Willens, die uns aus Abhängigkeiten herauslöst, uns zugleich aber auch auf die Probe stellt. Die moralische Tragweite dieser Entscheidungsmomente offenbart sich im „Ja“: Mit dem Ja-Sagen zum Anderen, dem Ja zum Guten, befreien wir uns aus dem Selbst-Verhaftet-Sein und können dadurch zum Geschenk werden – für Gott, für andere und für uns selbst. So könnten wir auch das Paulus-Wort verstehen „Obwohl ich von niemanden abhängig bin, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht“ (1 Kor, 9,19): Erst sich selbst zu befreien, um dann für andere frei zu werden. Ich wünsche Ihnen einen Abend der Gemeinschaft und Begegnung, in dem Sie die christlichen Kirchen unserer Erzdiözese kennenlernen: In ihrer architektonischen Klarheit, in ihren geschichtsträchtigen Imposanz und in ihrer unsagbaren spirituellen Kraft. Ihr + Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM
Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM