Statements - Graz
M.Mag. Hermann Miklas
© Superintendent der evangelischen Diözese A. B. Steiermark und stv. Vorsitzender des Ökumenischen Formus christlicher Kirchen in der Steiermark

Innerhalb weniger Jahre ist die Lange Nacht der Kirchen schon zu einem echten Markenzeichen in der Steiermark geworden. Allen Unkenrufen zum Trotz werden an manchen Orten in dieser Nacht die Kirchen regelrecht gestürmt. Zwei gegengleiche Interessen treffen hier aufeinander:

Zum einen das Interesse vieler Menschen am Phänomen des Religiösen bzw. Spirituellen. Im normalen Alltag ist dieses Interesse oft überlagert durch vieles andere, was die Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt. Auch meint man, Kirche ja ohnehin zur Genüge zu kennen; da scheint es nur mehr wenig "Kitzel" zu geben, um die verschüttete Neugierde in irgendeiner Weise doch noch zu entfachen. Kaum aber gehen von kirchlicher Seite Signale aus, die in der Lage sind, wieder eine gewisse Aufmerksamkeit erregen, ist auch das schlummernde Interesse neu geweckt! Wenn dann die Angebote auch noch niederschwellig, vielfältig und bunt sind…, dann ist der Weg frei für unkonventionelle Begegnungen mit dem, was man längst zu kennen glaubte, aber im Grunde doch nicht wirklich kannte.

Dem steht auf der anderen Seite die Lust vieler Gemeinden gegenüber, sich aus Anlass der Langen Nacht einmal abseits der traditionellen Klischees zu präsentieren. Es ist erstaunlich, wie viel kreatives Potential die Vorbereitung jedes Jahr unter den Mitarbeiter/innen von Kirche freisetzt. Auf einmal ist alle Bunkermentalität verflogen, die sich gelegentlich breit machen will. Und man bekommt richtig Spaß daran, mit der Welt von heute in einen dynamischen Dialog zu treten. Ganz selbstverständlich geht dabei auch die ökumenische Zusammenarbeit von der Hand. Und so kommt es auf allen Linien zu befruchtenden Begegnungen. 

Es kann nicht jeden Tag "Lange Nacht" sein. Danach braucht es durchaus wieder die Normalität des Alltags. Aber dass von ihren Impulsen – von den vielfältigen Bewegungen aufeinander zu – auch im Alltag etwas spürbar bleibt, das ist mein Wunsch für dieses Ereignis.

 

(red)



Druckansicht