In seiner Predigt bei der Eröffnungsfeier der Langen Nacht der Kirchen in Wien am 28. Mai 2010, nahm Bischofsvikar Karl Rühringer auf die Lesung beim Gottesdienst Bezug. "In der Lesung ermutigt der Prophet Jeremia Menschen in der Fremde, in der Verbannung, Häuser zu bauen", sagte Bischofsvikar Rühringer. Noch sei die Pfingstpredigt in den Ohren, wo berichtet wird, dass sich die Menschen verstanden haben." Das mahne zum innehalten, so der Bischofsvikar. "Wir haben heute ganz andere Bilder aus unserer Gesellschaft vor Augen. Menschen aus dem Balkan, aus Afrika aus dem Nahen und dem Fernen Osten. Menschen verstehen sich nicht, gehen aufeinander los. Menschen grenzen einander aus. Ist heute der Traum von Pfingsten aus?"
Der Unterschied zwischen Griechen und Römern und den Christen sei der, dass Christen Fremde nicht Barbaren und Feinde, sondern Freunde nannten, betonte Rühringer. "Das war revolutionär. Aus Fremden werden Freunde, das ist urchristlich. Die Christen sagten damals, die Fremden sind unsere Freunde, weil sie Freunde Gottes sind. Wie können wir Freunde Gottes Barbaren oder Feinde nennen?"; so der Bischofsvikar. Pfingsten weitet den Horizont auf alle Völker und Sprachen. "Niemand ist in der Kirche ein Ausländer", betonte Rühringer.
Viele seien gerade in dieser "Langen Nacht" auf der Suche, auf der Suche
von einer Kirche in die andere und von einer Pfarre in die andere. "Pfarre
bedeutet eigentlich 'Aufenthalt an einem fremden Ort'", das müsse zu denken
geben, so Rühringer. Die Sprache der Kirche werde manchmal zur Fremdsprache,
und doch sage Jeremia, dass wir das Haus hier und jetzt bauen sollen. In
dieser Stadt und an diesem Ort. In der Langen Nacht der Kirchen bemühen wir
uns ein Haus des Glaubens sichtbar zu bauen. Immer war die Lange Nacht
ökumenisch geplant. Wir bauen ein Haus der Vielfalt in der Einheit, das sind
keine Gegensätze, sondern eine Bereicherung", so Bischofsvikar Rühringer in
der Predigt.
(red)