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Mehr als 3.500 Veranstaltungen in 744 Kirchen zwischen Bodensee und
Neusiedlersee zeichneten die "Lange Nacht der Kirchen" 2010 aus. Rund
350.000 Menschen - davon mehr als 130.000 alleine in Wien - haben nach
ersten Schätzungen am Freitagabend, 28. Mai 2010, die "Lange Nacht der
Kirchen" besucht. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich in ersten
Reaktionen von den unterschiedlichen Programmpunkten spiritueller,
musikalischer und kultureller Art begeistert. Die "Lange Nacht der Kirchen"
- ein gemeinsames Projekt aller 14 christlichen Glaubensgemeinschaften des
Landes - war in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in allen
österreichischen Diözesen veranstaltet worden. Auch in der tschechischen
Republik standen an diesem Freitag mehr als 400 Kirchen bei der ersten
landesweiten "Noc kostelu" offen.
Besuchermagnet war der Stephansdom
Besuchermagnet Nummer eins der "Langen Nacht der Kirchen" in Wien war
einmal mehr der Stephansdom. Mehr als 50.000 Menschen bestaunten im Lauf des
Abends die Lichtinstallation von Veit Schiffmann und Max Nemec. Mit
Laserlicht wurde der Dom in unterschiedliche Farben getaucht. Im Dom
musizierten der Stuttgarter Knabenchor collegium iuvenum und die Wiener
Dommusik. "Der Dom ist wie ein Magnet im Herzen der Stadt. Er ist ein
erfülltes Haus, das viele tausend Menschen begeistert", betonte Dompfarrer
Anton Faber. "Es ist heuer wieder gelungen Menschen mit einer
Lichtinstallation in einem emotionalen Zustand anzusprechen, der gewaltig
ist", so der Wiener Dompfarrer.
Ein regelrechter Run entwickelte sich - wie jedes Jahr in der "Langen Nacht
der Kirchen" auf die begehbaren Kirchtürme in der Stadt. Hunderte Besucher
wollten auch die 343 Stufen zur Türmerstube im 136 Meter "Steffl"
hinaufsteigen. Über 400 Jahre lang (bis 1955) haben dort die Türmer als
Feuerwachen Ausschau nach eventuellen Bränden in der Stadt gehalten.
Solidaritätsbekundungen mit der Kirche
Der Wiener Bischofsvikar Karl Rühringer zieht eine positive Bilanz zur
sechsten "Langen Nacht der Kirchen". Im Gespräch mit "Kathpress" räumte er
anfängliche Bedenken ein, dass aufgrund der Missbrauchskrise in der Kirche
heuer weniger Leute die Einladung zur "Langen Nacht" wahrnehmen würden.
Diese Bedenken hätten sich aber zerstreut, so Rühringer, denn mit 350.000
Besuchern österreichweit wurde 2010 ein neuer Rekord erzielt. "Ich habe bei
meinen Besuchen in zahlreichen Kirchen und Pfarren in dieser Nacht viele
Solidaritätsbekundungen mit der Kirche erfahren. Die Menschen
bekennen gerade in schwierigen Zeiten bewusst Farbe und stehen zur Kirche",
betonte der Bischofsvikar.
Start mit stadtweitem Glockengeläut
In allen Diözesen begann die Lange Nacht mit einem zehnminütigen
Glockengeläut. Um 17.50 Uhr war die "Lange Nacht der Kirchen" in der
Bundeshauptstadt begonnen worden. An der ökumenischen Eröffnungsvesper in
der rumänisch-orthodoxen Kirche in Simmering nahmen Vertreter aller
christlichen Kirchen teil. Den Gottesdienst leitete der Vorsitzende des
Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der rumänisch-orthodoxe
Bischofvikar Nicolae Dura. Die Predigt hielt der römisch-katholische
Bischofvikar Karl Rühringer. "Pfingsten, das wir gerade gefeiert haben
weitet den Horizont der Kirche auf alle Völker aus. Niemand ist in der
Kirche ein Ausländer, denn alle sind Freunde Gottes", betonte der
Bischofsvikar.
Als Vertreter der evangelischen Kirche war Senior Michael Wolf, die
Vertreterin der altkatholischen Kirche war Vikarin Sabine Clasani beim
Eröffnungsgottesdienst dabei.
In der Erzdiözese Wien (Stadt Wien und östliches Niederösterreich) konnten
die "Lange Nacht der Kirchen"-Besucher insgesamt 175 offene Gotteshäuser
besuchen. 1.040 Programmangebote standen zur Wahl. Ein Höhepunkt in Wien war
die Diskussion in der Franziskanerkirche, die sich an diesem Abend dem Thema
"Sexuelle, körperliche und emotionale Gewalt in der Kirche" widmete. Im
Blick stand dabei der Missbrauch von Abhängigkeiten und
Vertrauensverhältnissen.
Besondern Zulauf hatten jene Orte, die für Kirchenbesucher normalerweise
nicht zugänglich sind wie Kirchtürme, Sakristeien, Krypten und Klostergänge.
Als Juwel barocker Kirchenbaukunst, das nur zu besonderen Anlässen geöffnet
wird, stand etwa die "Bernardikapelle" im Heiligenkreuzerhof den ganzen
Abend lang offen. Abt Gregor Henckel-Donnersmarck las aus seinem Buch
"Wandelnde Zebrastreifen" und die "Chart-Mönche" des Stiftes Heiligenkreuz
sangen die Gottesdienste im gregorianischen Choral. Bei den Standln
mit den Heiligenkreuzer Köstlichkeiten waren schon vor Mitternacht die
beliebten Wildschweinbratwürste aus.
Die nächste Lange Nacht der Kirchen findet am 27. Mai 2011 statt.
(red)
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