Am Freitag, 28. Mai 2010 findet zum 6. Mal die Lange
Nacht der Kirchen statt. Zwei Besonderheiten fallen auf: Es machen immer
mehr Kirchen am Land mit und es ist ein länderübergreifendes Projekt
geworden.
In Österreich beteiligen sich mehr als 730 Kirchen vom Boden – bis zum
Neusiedlersee. Erstmals öffnen über 320 Kirchen in allen Diözesen in
Tschechien in der „Noc kostelu“ ihre Pforten. Auch Gemeinden in Slowenien
und Friaul sind mit dabei. Vom Anfang an war die Lange Nacht ökumenisch
ausgerichtet, sodass auch heuer alle 14 christlichen Konfessionen, die im
„Ökumenischen Rat der Kirchen“ vertreten sind, mittun.
Eröffnet wird die Lange Nacht der Kirchen mit einem ökumenischen
Gottesdienst in der Rumänisch-orthodoxen Kirche in Wien 11, Simmeringer
Hauptstraße 161 um 18:00 Uhr.
Im Bereich der römisch-katholischen Erzdiözese Wien werden 176 - alleine im
Stadtgebiet von Wien 138 - Kirchen von 18:00-1:00 Uhr früh offen
stehen. Mehr als 1.040 (alleine in Wien 770) Programmpunkte laden ein zu
verweilen, zu sehen, zu hören, zu meditieren, zu beten.
Die Bandbreite ist groß: Musik, Führungen, Diskussionen, Turmbesteigungen,
spirituelle Schätze der Ordensgemeinschaften, Meditation, Mystik und Gebet.
Es sind Programmpunkte für Kinder, Jugendliche, Erwachsene – und alles bei
freiem Eintritt.
Es ist eine Zeitreise an diesem Abend, was Architektur, Musik und
künstlerische Ausgestaltung betrifft.
Kirche als Ort der Begegnung wird gerade in diesem Jahr von Bedeutung sein,
wo so viele Diskussionen laufen. In der Lange Nacht der Kirchen soll Kirche
sichtbar werden als Ort des gelebten Glaubens. Engagierte Menschen
präsentieren mit hoher Motivation und Ehrenamtlichkeit aus der Lebendigkeit
ihres Glaubens heraus ihre Pfarrgemeinden, ihre Ordensgemeinschaften, ihre
sozialen, kulturellen und geistlichen Wirkungsfelder.
An diesem Abend gibt es auch viele Orte der Gastfreundschaft an und bei den
Kirchen, die zu Gespräch und Diskussion einladen.
Diese 6. Lange Nacht der Kirchen steht unter dem Motto aus dem Propheten
Jesaja: „Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen“ (Jes
62,6). Es ist ein zeitgemäßes Projekt, vor allem auch für Menschen,
die auf der Suche nach Sinn und Orientierung sind. Menschen, die der Kirche
unentschlossen oder distanziert gegenüber stehen finden vielleicht einen
neuen Zugang zu ihr.
Die Lange Nacht der Kirchen bietet den Besuchern Gelegenheit, die Kirche in
ihrer Vielgestalt als Ort und Raum für Glaubens- und Kulturgeschehen
bewusster wahrzunehmen.
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Die Bedeutung der Kirchen in unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist umstritten, ja mehr noch: sie wird von vielen bezweifelt oder sogar massiv bekämpft.
Die Kritik am organisierten Christentum mit all seinen Fehlern und Schattenseiten steht im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung und der Medien. Das ist bitter und hart. Dem haben sich die Kirchen zu stellen.
Die Türen werden weit geöffnetDie Lange Nacht der Kirchen ist zum wiederholten Mal der gelungene Versuch, in besonderer Weise einmal im Jahr zur nächtlichen Stunde die Türen ganz weit zu öffnen und viele Menschen neugierig zu machen auf das, was in kirchlichen Räumen möglich ist. Wer den Schritt über die Schwelle wagt, wird staunen über die Offenheit der Gastgeber und die Vielfalt der christlichen Traditionen.
Die Lange Nacht der Kirchen möchte einerseits Scheu und Distanz abbauen helfen, sie ist anderseits eine hervorragende Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen „der anderen“.
Die Kleinen freuen sich besondersDiese Nacht hat auch viel zu tun mit Erwachsenenbildung, mit Erleben von Musik und Kultur, mit Diskussion über heiße Themen, mit Auseinandersetzung und Streitgespräch, mit Stille, Meditation und Gebet.
Besonders die kleineren und unbekannteren Kirchen freuen sich, wenn
interessierte Gäste kommen und so ihr Interesse und ihre Wertschätzung zum
Ausdruck bringen.
Phantasie, Kreativität und prominente Gäste
Auch für viele Insider ist die Lange Nacht der Kirchen eine gute
Gelegenheit, gemeinsam mit anderen etwas Besonderes zu veranstalten, das
sonst in der Routine des kirchlichen Alltags nicht möglich ist. Viel
Phantasie und Kreativität wird auf diese Weise freigesetzt und trägt zur
Intensivierung des Gemeinschaftslebens bei. Und so manche prominente Gäste
nehmen die Einladung zur Mitwirkung gerne an, ist doch der kirchliche Rahmen
eine besondere Herausforderung z.B.für KünstlerInnen, Politikerinnen oder
Fachleute aller möglichen Gebiete.
Good news der Vergebung, der Liebe und der Befreiung
In erster Linie geht es in der Langen Nacht der Kirchen ja nicht um die Organisation des christlichen Glaubens, sondern wirklich um die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus, das auf mannigfaltige Weise zu den Menschen kommen soll. Unsere Gesellschaft, die überflutet wird von bad news braucht nichts dringender als good news voller Zeichen der Hoffnung und Ermutigung.
Mitten in dieser Welt voller Bosheit, Tragik und Zwängen gilt es, Gottes Wort der Vergebung, der Liebe und der Befreiung zu sagen. Dazu dient exemplarisch diese Lange Nacht.
„Pfingsten der Künstlerinnen und Künstler“: Auferstehungskirche im
7.Bezirk, Lindengasse 44a
Dabei geht es um die Beziehung von Kirche und Kunst unter dem Zeichen des
Heiligen Geistes.
Mehr als 50 Kunstschaffende aus den Bereichen Musik – Malerei – Bildende
Kunst – Fotografie – Tanz – Dichtung kommen aus verschiedenen
Gemeinden unserer Kirche und gestalten diese Nacht als festliche
Begegnung.
Beginn: 15.30 Uhr
Offizielle Eröffnung: 18 Uhr mit Superintendent Hansjörg Lein und dem Ghana
Minstrel Choir
Midnight Blessing mit Altbischof Herwig Sturm.
„Es wead ana kemmen“: Glaubenskirche in Simmering,
Braunhubergasse 20, um 19.30 Uhr
Kärntner Evangelientexte: Bischof Dr.Michael Bünker und Pfarrer Sepp
Lagger
Lesen Texte aus den Evangelien, die sie in den Dialekt iher kärtnerischen
Heimatorte übertragen haben.
Orgelmusik: Pfarrer Carsten Marx
Kärnterisches Buffet
„Die Häfn-Cooker - eine multimediale Kochschau“: Gustav
Adolf Kirche in Gumpendorf, Lutherplatz 1 = Gumpendorferstr.129, um
23.50 Uhr
s´Häferl inszeniert eine Kochperformance für alle, die Hunger haben, alle,
die satt machen wollen, und jeden zwischendrin.
Dann wird nicht nur mit Worten gespielt, dem Häfn, der wöchentlich auf dem Häferl-Herd seinen Dienst tut und eben auch in dieser Nacht, und dem Häfn, dem Knast, aus dem so mancher Häferl-Koch gekommen ist.
Dann wird dem werten Publikum ein wenig mehr abverlangt als bloßes Zusehen, Zuhören und Hinriechen und alle Sinne werden bedient, mitunter auch der Tastsinn beim Schälen der Erdäpfel und der Zwiebeln .... Und letztlich wird auch im Häferl nie so heiß gegessen wie gekocht. Miteinander soll dann aber schon gegessen werden!
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Die Lange Nacht der Kirchen ist seit sechs Jahren eine Tradition, nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern. Mehr als 1000 Kirchen in Österreich und Tschechien sind offen. An dieser katholischen Initiative, die eine große Aufgeschlossenheit für die Ökumene zeigt, da bin ich froh, wirken alle 14 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich mit.
Die "Lange Nacht der Kirchen" ist wie ein Mosaik: Wenn wir in eine Kirche gehen, können wir verschiedene Schönheiten betrachten und jede Kirche hat eigene Besonderheiten. Die "Lange Nacht der Kirchen" ist eine Möglichkeit einander "face to face" zu begegnen. Beim Gottesdienst können wir nicht so viele Gespräche führen, aber die Lange Nacht bietet gerade diese Gelegenheit.
Die "Lange Nacht der Kirchen" ist ein ökumenisches Ereignis, und eine ausgezeichnete Möglichkeit unsere christlichen Bereicherungen zum Ausdruck bringen und zugleich unsere Freude. Auch wenn wir noch nicht die volle sichtbare Einheit der Christen erreicht haben, haben wir doch die christliche Gemeinschaft erreicht.
Wir sind froh, dass in Österreich die Gelegenheit der Langen Nacht der Kirchen haben, und auch über die Grenzen haben und ich bin überzeugt, dass im siebten Jahr viele Kirchen anderer Länder mit uns bei der Langen Nacht sein werden.
Ich bin stolz, dass der Eröffnungsgottesdienst heuer erstmals in einer orthodoxen Kirche stattfindet, in unserer neu geweihten rumänisch-orthodoxen Kirche in Simmering.
Am Ende des Gottesdienstes werden gesegnete Brote ausgeteilt, auch wenn wir noch nicht gemeinsam Eucharistie feiern können. Wir leben in versöhnter Verschiedenheit im ökumenischen Rat der Kirchen. In Österreich ist die Ökumene schon 52 Jahre alt, also erwachsen geworden. Wir dürfen uns mehr trauen.(red)