Prälat Karl Rühringer
Bischofsvikar für das Vikariat Wien Stadt der römsich-katholischen
Kirche
Es ist heuer das fünfte Mal, dass die lange Nacht der Kirchen in Wien
stattfindet und damit natürlich auch für uns ein kleines Jubiläum. Auch für
mein sehr engagiertes Team, das sehr viel an Kleinarbeit zu leisten hat.
Zwei Besonderheiten möchte ich herausstreichen, zu dieser langen Nacht im
fünften Jahr. Der Funke ist übergesprungen über die Grenzen Österreichs, ich
werde dies dann noch genauer ausführen. Das Zweite, dass mehr und mehr auch
im ländlichen Bereich Gemeinden bereit sind die Türen zu öffnen.
In dieser Nacht sind von 18.00 Uhr bis 1.00 früh die Kirchentore weit
offen. Jetzt in Österreich selber sind es über 700 Kirchen vom Bodensee bis
zum Neusiedlersee, die offen halten und insgesamt über etwa 3000 Punkte
verschiedenster Art anbieten. In Wien selber sind es knapp 200 Kirchen, die
die Tore offen halten mit etwa 1100 Programmpunkten. Natürlich muss man
sagen, von Anbeginn war es ein ökumenisches Miteinander und ich möchte sagen
ein wirklich sehr fruchtbares und wertvolles Miteinander.
Im heurigen Jahr macht unsere Partner Diözese Brünn mit. Es gab im
vergangen Jahr einen ganz intensiven Austausch, ich würde sagen ein Know-how
Transfer in diese Richtung. Im vergangenen Jahr war ein Autobus aus Brünn
da, die schon ein bisschen „spioniert“ haben, es macht auch Pilsen heuer
mit, dann im Süden ist der Funke ebenfalls übergesprungen, in Südtirol
machen Gemeinden mit und auch in Slowenien. Das heißt es hat sich bereits
eine Dynamik entwickelt. Der Bischof von Brünn hat die Bischöfe der Slowakei
eingeladen, damit sie sich ansehen, wie das geht mit der langen Nacht in
Brünn.
Die Eröffnung in Wien ist wieder ein ökumenischer Gottesdienst in der
evangelischen Kirche AB in der Dorotheergasse. Ich darf jetzt einen Blick
auf diesen Abend auf diese Nacht tun. Zunächst es kann ein Streifzug durch
die Jahrhunderte sein, was die Architektur betrifft, eine Zeitreise wenn man
möchte, eine künstlerische Ausgestaltung der Gotteshäuser der Kirchen. An
diesem Abend interessiert auch ganz stark das Leben hinter diesen Mauern,
was spielt sich da ab. Ich möchte sagen, es sind Kirchenorte des gelebten
Glaubens, und engagierte Menschen gestalten aus der Lebendigkeit des
Glaubens heraus das angebotene Programm. Dieses Programm soll stimmig sein,
soll das Leben der jeweiligen Kirchengemeinden widerspiegeln. Ein Ort der
Begegnung, ein Ort in ganzer Vielfalt, würde ich diesen Abend und die
Kirchen bezeichnen, vielleicht kann man das so formulieren, scheinbar
Vertrautes, im Dunkeln dieser Nacht erscheint es in einem anderen in einem
neuen Licht und das was unser Anliegen ist, ein kräftiges Lebenszeichen.
Natürlich Orte der Gastfreundschaft, immer wieder kann man es erleben, dass
hier die Kirchen im Vorraum im Vorfeld Gastfreundschaft anbieten. Anders
formuliert, es sollen spirituelle Schätze der Kirchen, der
Ordensgemeinschaften der kirchlichen Gemeinschaften spürbar werden an diesem
Abend und man kann die Entfaltung der Talente in aller Unterschiedlichkeit,
wie man sie in den Kirchen vorfinden kann, erleben. Kirchliches Leben bunt,
vielfältig, vital kreativ auch humorvoll. Das Programm selber, es gibt eine
Bandbreite von niederschwellig bis sehr anspruchsvoll.
Das Motto, unter dem diese lange Nacht steht, ist ein Lobgesang auf die
Weisheit Gottes. Aus dem Psalm 74. "Dein ist der Tag und Dein auch die
Nacht, hingestellt hast du Sonne und Mond." Ein Wort noch zu den Besuchern,
jeder ist willkommen. Man könnte sagen church für unchurch die ihre
Probleme, Schwierigkeiten haben. Die Kirche steht allen offen und dies alles
zum Nulltarif.
Es soll für manche ein AHA Erlebnis sein, es mag da und dort ein
Kirchenbild korrigieren, verändern, aufbrechen. Hier sehen sie was sie noch
nie gesehen haben. Da gibt es Winkel, Unterkirchen, Sakristeien usw. Diese
Lange Nacht der Kirchen ist ein Hauch von Abenteuer. Ein spürbares
Miteinander in der Ökumene, dies sage ich aus vollster Überzeugung. In
diesen fünf Jahren, ich glaube, dass wir hier einander näher gekommen sind.
Das hier ein ganz wertvoller Dienst in Richtung Ökumene geleistet wird. Mir
ist diese lange Nacht besonderes ein Anliegen, weil es in das Jahr
hineinfällt, wo 100 Jahr Heiligsprechung von Klemens Maria Hofbauer
stattfindet, ein ganz großer Seelsorger in dieser Stadt, der in nur zwölf
Jahren das Gesicht dieser Stadt verändert hat. Damals zu Beginn des 19.
Jahrhunderts und deshalb ist mir diese Lange Nacht eben sehr, sehr
wertvoll.
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Mag. Hansjörg Lein
Superintendent der Evangelischen Kirche A.B.
Ich möchte zunächst einmal hervorheben, dass diese fünfte Lange Nacht der
Kirchen rund um das Pfingstfest stattfindet. Bei einigen ist es ja schon der
kommende Sonntag und in der orthodoxen Kirche wird es der Sonntag nach der
Langen Nacht der Kirchen sein. Diese Lange Nacht der Kirchen ist also
eingebettet in ein ganz wichtiges kirchliches Fest, das uns allen in allen
Kirchen wichtig ist. Bei diesem Pfingstfest feiern wir ja, dass Gott uns
seine Heilige Geist Kraft geschenkt hat, dass sie uns be-geistert - im
wahrsten Sinne des Wortes - immer wieder neu, obwohl viele Menschen in
unserer Gesellschaft den Eindruck haben: Kirche ist etwas von gestern,
Kirche ist nicht mehr aktuell, Kirche ist nicht mehr am Puls der Zeit. Genau
das Gegenteil ist der Fall und diese Lange Nacht der Kirchen, die ja
wirklich schon zu einer Tradition geworden ist in Wien und in Österreich,
wird wieder ein Zeichen setzen, dass Gott uns mit seinem Geist wirklich
begeistert, wirklich Begeisterung bringt und auch Verständigung möglich
macht. Verständigung zunächst einmal ganz im Sinne der Kommunikation über
die Grenzen der Sprachen hinweg.
In dieser Langen Nacht der Kirchen wird es auch internationale Angebote geben, es werden Veranstaltungen in anderen Sprachen stattfinden für Menschen in dieser Stadt, die ja wirklich ein Schmelztiegel ist von verschiedenen Kulturen und Religionen und Kirchen. Ökumene lebt in Wien! Ökumene heißt ja wirklich, dass es den ganzen Erdkreis betrifft. In Österreich sind wir vielleicht versucht, unter Ökumene immer nur zu verstehen, das Gespräch und der Kontakt zwischen römisch-katholisch und evangelisch. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, dass wir hier heute zu Gast sind in der griechisch-orthodoxen Kirche. Ökumene umfasst alle Kirchen und die Lange Nacht der Kirchen ist auch eine Veranstaltung von Anfang an von allen 14 Kirchen, die im Ökumenischen Rat der Kirchen Mitglieder sind. Ja, Ökumene heißt, wir sind alle getauft auf den Namen Jesu Christi und wir geben gemeinsames Zeugnis für diese Welt und wir leben ja in dieser Welt. Aber wenn wir so durch die Stadt gehen bemerken wir ja, wie schwierig teilweise in Vorwahlkämpfen das Zusammenleben ist und wie leider auch Hass geschürt wird anstatt Nächstenliebe gepredigt wird. Ökumene heißt - und das wird auch in dieser Langen Nacht zum Ausdruck gebracht: gemeinsam beten, gemeinsam loben und preisen, gemeinsam Liturgie feiern. Nicht nur jene, die das sowieso regelmäßig tun, sondern eingeladen sind ganz besonders die, die nicht so leicht über die Schwelle einer Kirche hineinkommen. Gemeinsam die Bibel lesen, gemeinsam die Bibel interpretieren, gemeinsam nach Orientierung suchen im Diskurs mit den Fragen und den Menschen unserer Zeit. Ich denke, dass die Kirchen gerade in Zeiten der Krise ein Ort des Haltes und der Geborgenheit sein müssen und sie das auch gerne sind. Die Lange Nacht der Kirchen ist eine gute Gelegenheit, sich mit den Fragen unserer Zeit zu beschäftigen, sich damit auseinanderzusetzen.
In Wien haben wir eine gute Nachbarschaft. Es ist schön, dass es am Ende des Programmheftes einen Index gibt und dort als erstes als Überschrift zu lesen ist: Ökumenische Veranstaltungen. Gute, gewachsene Nachbarschaft wird in dieser Nacht gepflegt und vertieft, Freunde, Freundinnen werden eingeladen, man feiert gemeinsam und es ist auch möglich sich wieder neu kennenzulernen oder überhaupt jemand neu kennenzulernen. An ein paar Beispielen möchte ich noch sagen, wo diese Ökumene auch wirklich interessant ist für Leute die nicht in eine Kirche hineingehen wollen. Es gibt z. B. die Möglichkeit, die Gefängnisseelsorge kennenzulernen. In der Haftanstalt in der Josefstadt, wo die Anstaltsleiterin selbst, Hofrätin Pigel, zum Gespräch da sein wird. Das heißt, hier sind wir wirklich in den Institutionen seelsorgerlich tätig, auch in den Krankenhäusern und das wird sehr geschätzt von der Gesellschaft. Die beiden evangelischen und theologischen Fakultäten in Wien in der Schenkenstraße werden auch in dieser Nacht wieder gemeinsam veranstalten. Im Programm ist hier einiges doch erwähnenswert würde ich sagen: Wer studiert heute noch Theologie? Eine Frage, die sich vielleicht viele stellen und sie wird an diesem Abend beantwortet. Das Priesteramt aus religionswissenschaftlicher Perspektive, bei welchem Amt trennen sich die Wege? Wir wollen ja auch nicht verschweigen, die uns nach wie vor trennen. Es ist ja auch durchaus sinnvoll, das zu diskutieren.
Ich freue mich schon auf diese Lange Nacht der Kirchen. Ich werde auch selbst wieder den ganzen Abend in einer Pfarrgemeinde verbringen, weil dort ein Jubiläum gefeiert wird und ich finde es schön, dass dann kurz vor Mitternacht eine katholische Pfarre einen Fackelzug veranstalten wird zu einer evangelischen Gemeinde und wir wirklich um Mitternacht ökumenisch feiern werden.
Zum Schluss vielleicht noch einmal die Betonung: Kirchen sind Orte des Lebens und der Lebensfreude mit allen Sinnen. Auch das passt wieder zu Pfingsten dazu. Wir sind nicht vergeistigte Wesen sondern wir sind geistige, geistliche aber auch leibliche Menschen und das wird in dieser Nacht sicherlich gut zum Ausdruck kommen. Wir laden alle ganz herzlich ein, vielleicht auch zum ersten Mal, sich an dieser Langen Nacht der Kirchen zu beteiligen.Metropolit Erzbischof Dr. Michael Staikos
Griechisch-Orthodoxer Metropolit von Austria
Ich habe das Projekt "Lange Nacht der Kirchen" von Anfang an begleitet und war anfangs sehr skeptisch. Aber nach dem ersten Mal habe ich festgestellt, dass es eine große Bereicherung ist für uns, für unsere Gemeinde, für die Orthodoxie und alle anderen Kirchen in den Bundesländern. Es ist eine Bereicherung aus der Begegnung. Die Menschen, die in der Langen Nacht der Kirchen kamen, stellten viele Fragen, von naiven Fragen bis motivierten Fragen. Hier sehe ich die Aufgabe der Ökumene: Zu sagen was die Menschen wissen wollen und was wir ihnen anbieten können.
Die Lange Nacht ist keine
Idee, die einfach gekommen ist, sondern es ist eine Frucht der ökumenischen
Zusammenarbeit in Österreich. Alle Programmpunkte sind von den Pfarren und
Kirchen, von der Basis und nicht von oben vorgegeben.
Ich betone das, weil wir Menschen vieles als Selbstverständlichkeit
betrachten. Nach der fünften Langen Nacht der Kirchen nimmt man
selbstverständlich an, es findet eine "Lange Nacht" statt. Aber es ist nicht
selbstverständlich, denn dahinter liegt eine lange Zusammenarbeit der
Kirchen, eine verdiente gegenseitige Hochachtung, ein Respekt und
Vertrauen.
Im Programmheft sind die Grußworte aller Kirchen enthalten. Viele haben sich gemeldet, nicht nur von den großen Kirchen, sondern auch von den kleineren Kirchen. Mitten darunter ist auch Kardinal Schönborn. Glauben Sie, dass in einem anderen Land mit katholischer Mehrheit möglich wäre, oder in einem orthodoxen Land, dass das orthodoxe Oberhaupt mitten unter anderen erscheint? Das kann nur in Österreich sein. Ich bin sehr froh darüber, dass es in Österreich so ist. Es ist nicht ein Zeichen der Bescheidenheit der katholischen Kirchen, sondern ein Zeichen des Vertrauens der katholischen Kirche uns gegenüber, das uns durch die lange Zusammenarbeit geschenkt wird. Darin sehe ich die Bereicherung und Erfahrung und die größte Wichtigkeit des Projektes.
Ich danke der Erzdiözese Wien,
denn die gesamte Infrastruktur zum Projekt stellt die katholische Kirche zur
Verfügung. Ohne die ökumenische Bereitschaft wäre es nicht möglich, so ein
Projekt durchzuführen.
In Österreich müssen wir sehr dankbar sein für den guten Stand der Ökumene,
der in erster Linie ein Geschenk Gottes ist, und wir können das Geschenk
genießen und als Segen Gottes empfangen.
Wir müssen gerade heute den Menschen zeigen, was sie sehen wollen: Christus. Wir leben in einer Zeit, in einer Gesellschaft und einer Welt, wo die Konfession zwar wichtig ist, aber in erster Linie der gemeinsame christliche Glaube aufgrund der gemeinsamen Taufe präsentiert wird.
(red)